Die Maler und das liebe Vieh


Am Morgen gegen halb acht klingelt es Sturm.

Ich bin hocherfreut, habe ich doch ausnahmsweise heute und morgen frei und kann, so Katz mich lässt, ausschlafen.

Ich öffne die Tür nur einen winzigen Spalt, damit Tapsy und Paul nicht wie gewohnt ins Treppenhaus flitzen können da ich nur mit einem leichten Nachtgewand bekleidet und auch ansonsten nicht besuchsfein bin.

"Griass Gott, mia kemma vo' da Hausverwaltung und soll'n de Fensta vo' aussn streicha. Bei de andan Hausbewohna is koana da, na fang'ma hoit bei Eahna o, gei?"

Innerhalb der nächsten zwei Minuten füllt sich die Diele mit Leitern, Eimern und diversem Werkzeug, die Katzen sind nun doch im Treppenhaus. Ich ziehe mich diskret zurück, kleide mich sittsam und hechte sodann den Tieren hinterher. Im Treppenhaus sind alle Fenster geöffnet. Sie sind bereits gestrichen und es zieht wie Hechtsuppe. Paul rennt die Treppe nach oben, Tapsy nimmt den Weg nach unten. Ich renne im Kreis und locke in den höchsten Tönen. Die Katzen haben ein Einsehen, außerdem haben sie Hunger, es gab ja noch kein Frühstück, und daher traben sie brav hinter mir her zurück in die Wohnung.

Dort stehen bereits auch alle Fenster offen, die Katzengitter sind abgenommen und zwei fröhlich pfeifende Maler pinseln vergnügt vor sich hin. Gerald taumelt verschlafen aus der Toilette, versteht gar nix, grinst aber freundlich und sagt: "Hast Du die bestellt?" Nein, hab ich nicht.

"Wie lange müssen die Fenster denn offen bleiben?" frage ich besorgt, da Paule schon bei einem der beiden Pinsler auf dem Fensterbrett thront und Tapsy in meinen Armen so zappelt, daß ich sie kaum mehr halten kann. "Mei, heit' am Ab'nd kenna'S ses wieda zuamacha, 's Wedda is ja schee."

Na bravo. Soll ich die Miezen jetzt den ganzen Tag ins fensterlose Klo sperren oder was?

"Ähm, kann man denn nicht einen Raum morgen machen, damit ich die Katzen einstweilen dort unterbringen kann?" Tapsy und Paule finden diesen Vorschlag saublöd, man kann es sehen. Kaum ist mal was los in der Bude, schon sollen sie von dem Vergnügen ausgeschlossen werden, es ist immer das Gleiche.

"Naa, des geht net, morgen miaß ma ja den zwoatn Anstrich drüber macha, da miaß ma heit scho alle Fensta streicha."

Grübelnd stierte ich unbefrühstückt und übellaunig vor mich hin. Da sagt der Maler auf einmal: "Sie, wissn'S wos, i hob aa Katzn dahoam. Mia pass'n auf, dass koane abhaut oda obifoit (herunterfällt) und Sie hol'n uns jetzt a Brotzeit, ok? Danach gehen'S mit de Miezal auf'n Balkon und bleibn dort, die Tür streich i dann ganz zum Schluß. Sein'S froh, dass as Wedda schee is!"

Dieser für einen Bayern sehr höflich vorgebrachten Bitte konnte ich mich nicht verschliessen. Und wer hätte es gedacht: nach gemeinsamem Frühstück (Maler, Gerald, Katzen und ich) verbrachten wir einen sehr netten Tag zusammen. Paul und Tapsy haben nur ganz wenig Farbe, dafür aber umsomehr Streicheleinheiten abbekommen und wir alle freuen uns schon auf morgen, da kommen die netten Männer wieder und machen alles wieder fest und Frauchen hinter ihnen sauber. Wir werden, wie versprochen, Weisswürst mit süssem Senf und Brezen verspeisen, die Katzen werden betteln was das Zeug hält und damit auch sicherlich Erfolg haben und ich werde einen weiteren Tag mit meinem Laptop im Exil auf dem Balkon verbringen und solche oder ähnliche Geschichten in die Tasten tippen. So zwei Tage Kurzurlaub haben doch was, nicht? :-)